Kleiner Ausschnitt einer magischen Begegnung

Darf ich vorstellen: Saphir, ein Araberwallach.

Meine neue Selbstständigkeit existierte bereits in meinem Kopf und benötigte für den Internetauftritt ein paar gute Bilder.

Mit meinem eigenen Pferd wollte ich schon immer mal eine richtige Fotosession machen, um die Magie mit ihr für die Ewigkeit festzuhalten. Leider hat es in dieser Form nie geklappt, jetzt ist es im Himmel.

Ich habe die Erfahrung gemacht, sämtliche kostbaren Momente in der Begegnung mit Pferden finden in der Stille statt, ohne Fotograf in irgendeiner Ecke.

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Alle Fotos auf dieser Seite von Gaby Mohr

Die Begegnung mit Saphir und seiner Besitzerin, der Fotografin Gaby Mohr www.gabymohr.com ist eines der größten Geschenke, die ich 2015 erleben durfte.

Ich lernte Gaby kennen und fuhr 600 km quer durchs Land, um diese einmalige Chance wahrzunehmen.

Saphir und ich kannten uns nicht. Ohne  Kennenlernphase mit festgesetztem Zeitfenster kann so eine Aktion zu einem echten Abenteuer werden. Ich hoffte sehr, mit seiner Neugier auf mich, eine fremde Person, die fehlende Kennenlernphase zu kompensieren.

Saphir ist ein tolles Pferd, der Draht zu ihm war sofort sehr schön, es war ein intensiver Augenblick. Das reichte ihm dann auch, er hatte andere Pläne.

Die leckere Weide nebenan wurde am Tag vorher bereits stundenweise geöffnet. Die Pferde warteten schon sehr gespannt auf diesen Augenblick. Und jetzt kam ich mit Fotos. Für Saphir völlig indiskutabel. Er hatte nur Augen für sein natürliches Bedürfnis zu grasen und zeigte mir dies auch sehr deutlich. saphir_sylvia2

Er stand wie festgewurzelt vorm Eingang ins neue Weideglück, hatte mich stets im Blick und war durchaus neugierig. Wegbewegen kam dennoch nicht in Frage.

Ich versuchte ihn aktiv abzuholen und mitzunehmen.

Nein, Saphir wollte nicht.

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Er stand in seiner Komfortzone, die einzige Bewegung war eine Schwerpunktverlagerung von einem Vorderbein auf das andere. Die Fotos haben diese Situation sehr gut eingefangen.

Genau vor dieser Situation stehen alle Pferdemenschen, wenn das Pferd nicht möchte. Was wird üblicherweise gemacht? Das Halfter übergezogen und das Pferd mitgenommen. Manche müssen es auch hinter sich herziehen. Man hat ja schließlich nicht den ganzen Tag Zeit ….

Mit diesem Verhalten achten wir das Pferd aber nicht in seiner Persönlichkeit. Wenn das Pferd nicht den Raum bekommt, “ja” zu sagen, d.h. es kommt freiwillig mit oder streckt von sich aus den Kopf ins Halfter, wird die Arbeit mit ihm mal mehr, mal weniger gut funktionieren. Eine harmonische Verbindung wird es nicht sein. Vor dieser Situation stand ich jetzt mit Saphir. Ich wollte etwas von ihm, und es fühlte sich an, als ob er sagte “nö, hab keine Lust auf diesen Zirkus”. Geplant war ein Ausflug auf den Reitplatz und in den Wald.

Wann hat ein Pferd überhaupt das Bedürfnis, einem Menschen zu folgen und bei ihm zu bleiben? Wenn dieser Mensch dem Pferd keinen Druck macht, das Pferd friedlich in Bewegung setzen und ihm dabei seine Freiheit lassen. Dieses Spiel wollte ich erst auf dem Reitplatz umsetzen, denn eine Herde hat ihre eigenen Gesetze, und ich kannte diese Herde nicht. Ich war neu für diese Gruppe und wollte nicht aktiv für Durcheinander sorgen. Es schien nicht mein Glückstag zu sein.

Die Herde sah uns zu wie im Kino, und Gaby saß lachend im Gras mit ihren Kameras. Ich konnte mit meiner Aktion, ihn aus seiner Komfortzone wegzubewegen, eine neue Ausgangsposition herstellen. Saphir hatte es akzeptiert, ein freiwilliges “ja” erhielt ich dennoch noch nicht.

Die Situation mit Saphir war so verrückt, dass ich richtig fühlen konnte, wie ich mich selbst unter Zeitdruck setzte. Ich lachte laut los und sagte “ok, ich breche ab, ein paar Fotos haben wir ja”, setzte mich ins Gras neben Saphir, erzählte ihm von meinem Plan und sah der Herde zu.

Gaby protestierte, “kommt nicht in Frage, Saphir verhält sich immer so in Phasen des Weidewechsels. Du bist so weit gefahren, lass dir was einfallen, egal wie lange es dauert, ich habe heute keinen Termin mehr.”

saphir_sylvia4Ich vergaß die Fotosession, das war Gabys Job. Saphir marschierte in der Zwischenzeit wieder in seine Komfortzone. Abwechselnd bewegte ich ihn mehrfach von seinem Platz weg, dann lief ich gemeinsam mit ihm über die Weide. Irgendwann lief Saphir zur Herde. Ich ging zu ihm und konnte ihn jetzt problemlos (ohne Halfter) aus der Gruppe herausnehmen. Er folgte mir ganz freiwillig. Meine Freude war grenzenlos…

Ich spazierte mit ihm über die Weide, verließ mich ganz auf mein Gefühl, und Saphir ließ sich auf einen Tanz mit mir ein. Nach einiger Zeit ging er auch bereitwillig mit auf den Reitplatz und in den Wald.

Ich hatte es geschafft, Saphirs Aufmerksamkeit für weitere 2 Stunden zu bekommen. Seine Neugier und der gegenseitige Respekt füreinander siegten. sylvia_saphir5Unser Tanz auf der Weide, dem Reitplatz und im Wald hatte magische Augenblicke, Gaby war begeistert.

Auf dem Heimweg zum Stall bedankte ich mich bei ihm und erzählte Gaby von meiner Stute, wie tief diese Traurigkeit noch sitzt.

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Saphir ließ spontan den Kopf fallen und kaute unentwegt – wir beide waren in diesem Augenblick derart gerührt von seiner Reaktion. Wir hielten an, und ich umarmte ihn. Er schloss dabei die Augen, und sowohl Gaby als auch ich hatten das Gefühl, das war eine Botschaft meines Pferdes. Wir hatten beide Tränen in den Augen von der Kraft dieses Augenblickes.

So kam ich doch noch zu einer lebendigen Fotosession, die besser nicht hätte sein können.

 

 

Das Geschenk eines Pferdes und seiner Besitzerin, die diese wunderschönen Momente einfangen konnte. Danke.

Sylvia Nourney

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Heilraum für eine “Achtsame Pferd-Mensch-Begegnung”,
Lebensenergie und Bewusstwerdung
Ganzheitliche Beratung

 

Tierphysiotherapeutin (DGT) für Pferde und Hunde. CranioSacrale Therapie für Pferde.